Projekt

Ein Holzturm und sein zweites Leben

Anton Frommelt

Firma
Frommelt Zimmerei & Ing, Holzbau AG
Funktion
Inhaber und Geschäftsführer
Ort
Schaan, Liechtenstein
Motivation
„Ich bin dafür, Energieverbrauch möglichst gleich zu verhindern, statt diesen erst hinterher durch irgendwelche Kompensationsmassnahmen reinzuwaschen.“

17 Wochen lang bot ein 35 Meter hoher Holzturm im Zentrum von Schaan den Menschen aus der Region Plattform und Bühne, um über Nachhaltigkeit nachzudenken und zu diskutieren. Im Herbst 2023 übersiedelt das beeindruckende, nach zirkulären Richtlinien erstellte Bauwerk an seinen finalen Standort in ein Naherholungsgebiet oberhalb der Gemeinde. – Anton Frommelt, Geschäftsführer der ausführenden Holzbaufirma, gibt nachfolgend Einblicke in das bemerkenswerte Projekt.

1) Was macht Ihr Bauprojekt zirkulär?

Grundsätzlich war es uns wichtig, die regionale Wertschöpfungskette wiederzubeleben. Das ist uns sogar innerhalb eines Umkreises von nur fünf Kilometern gelungen. Wir mussten also von Anfang an mit diesen Rahmenbedingungen – wie etwa nur mit dem vor Ort auch verfügbaren Holz – umgehen. Das war nicht immer einfach, hatte aber einen grossen Reiz.

a) Inwiefern ist das Design-Konzept zirkulär?

Wir setzten auf eine modulare Bauweise mit vielen, problemlos wiederverwendbaren Elementen, die gleichzeitig weniger Rückbau-Arbeiten notwendig machen. Einige dieser Elemente sind fast 4 Meter breit und 18 Meter hoch. So kann mit einem einzigen Kranhub gleich eine Riesenfläche verbaut oder auch demontiert werden. Andere Arbeiten wiederum erfordern praktisch keinen Maschineneinsatz. Diese Mischung optimiert auch die CO2-Bilanz des ganzen Projekts.

b) Was ist der Impact auf das Ökosystem?

Ein Kubikmeter Holz bindet rund eine Tonne CO2. Das ist jene Menge, die ein Baum während seiner Lebenszeit gleichsam „einatmet“ und so der Atmosphäre entzieht. Gleichzeitig trägt Holz als natürlich nachwachsender Rohstoff wesentlich dazu bei, die CO2 - Bilanz von Bauprojekten zu verbessern.

Uns war es wichtig, sparsam mit dem Baumaterial Holz umzugehen. So lag der Ausnutzungsgrad des verwendeten Rundholzes bei etwa 50 bis 60 Prozent, die in den massiven Elementen verbaut wurden. Der Rest wurde hochprozentig zu Latten oder Verkleidungselementen verarbeitet. Das, was danach noch übrigblieb, wurde als CO2-neutraler Anteil verbrannt und somit in thermische Energie umgewandelt.

Bei einem solch nachhaltigen, zirkulären Bauprojekt geht es aber auch darum, möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Deshalb besteht die Konstruktion aus so vielen wiederverwendbaren Teilen, die ein Recycling erst gar nicht nötig machen. Ich bin dafür, Energieverbrauch möglichst gleich zu verhindern, statt diesen erst hinterher durch irgendwelche Kompensationsmassnahmen reinzuwaschen.

c) Inwiefern ist der Faktor Zeit mitgedacht?

Die wiederverwendbaren Bauteile sind auf eine möglichst lange Nutzungsdauer ausgelegt und dementsprechend konstruiert. Ausserdem hilft die Kaskadennutzung – also die Mehrfachnutzung der Rohstoffe und Materialien – dabei, deren Produktlebenszyklus zu verlängern.

2) Wie unterstützt das Projekt die Baubranche darin, den systematischen Wandel hin zur Zirkularität zu erreichen?

Die Wiederbelebung der regionalen Wertschöpfungskette war uns ein wichtiges Ziel. Dazu gehören der konstruktive Dialog und die enge Zusammenarbeit von verschiedenen Betrieben der Region. Will man nämlich zu den besten Lösungen gelangen, muss man vom Ich-Denken zu einem Wir-Denken kommen.

Ein konkretes Beispiel war etwa das Betonfundament des Turmes. Ich habe einen Bauingenieur aus der Region, der zugleich Inhaber einer Baufirma ist, direkt angesprochen und ihm erklärt, dass wir auch dafür ein modulares System brauchen. Eines, das wir sowohl auf dem Dorfplatz ohne irgendwelche Erdanker als auch später auf Dux auf Erdboden problemlos einsetzen können. Das Ergebnis war schliesslich ein Fundament, das aus mehreren, dreiecksförmigen Betoneinzelelementen besteht, die wir auch auf Dux wiederverwenden können.

3) Was waren die Hauptherausforderungen und das Haupt-Learning?

Sicher die Zusammenarbeit auf allen Ebenen – sowohl mit Externen als auch intern im eigenen Unternehmen, was etwa die Optimierung der Arbeitsprozesse betrifft. Wir mussten uns auch immer wieder selbst Mut zusprechen, dass gewisse Lösungen überhaupt machbar sind und durften dabei das Ziel nie aus den Augen verlieren. Das war ein wichtiger Lernprozess.

4) Wie messen Sie Ihren Impact?

Wir haben im Turm rund 360 Kubikmeter Rundholz verbaut und bei der Verarbeitung möglichst wenig C O2 ausgestossen. Somit konnten wir die im Holz aufgenommenen 360 Tonnen CO2 langfristig binden. Von dieser Bilanz muss man natürlich noch jenes CO2 abziehen, das etwa durch verwendete fossile Brennstoffe bei der Herstellung des Betonfundaments oder der rund 9 Prozent Stahlanteil verursacht worden ist.

Beiträge zum Projekt