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ZirkuLIE startet 2026 mit neuer Ausstellung

Datum
15. Januar 2026

Im Januar 2026 lud ZirkuLIE zum Neujahrsapéro ins Zentrum für Zirkuläres Bauen (ZZB) nach Triesen. Nach der Eröffnung der dortigen Anlaufstelle sowie Bauteilbörse im letzten Jahr stand die Veranstaltung diesmal im Zeichen von drei Themen: einer bemerkenswerten Rückschau, Zukunftsplänen sowie einer neuen Ausstellung, die sich gleichermassen informativ wie spielerisch zugänglich dem Thema Zirkularität widmet.

Mit mehr als 70 Gästen aus dem eigenen Netzwerk sowie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien läutete ZirkuLIE das neue Jahr ein. Das weiträumige Foyer war daher gut gefüllt, als Fabian Frick als Stiftungsrat der Stiftung Lebenswertes Liechtenstein, die das Projekt vor drei Jahren initiiert hat und seither unterstützt, die Anwesenden begrüsste Er betonte dabei zunächst die Bedeutung von ZirkuLIE als echtem Flaggschiffprojekt der Stiftung und hob hervor, wie es bisher gelang, nicht nur wichtige Akteur:innen der Baubranche zusammenzubringen, sondern auch bereits konkrete Lösungen für diese zu erarbeiten und umzusetzen.

Für die Zukunft formulierte Fabian Frick klare Ziele: „Ich wünsche mir, dass ZirkuLIE als Institution weiterhin das Bewusstsein für zirkuläres Bauen schärft und dabei noch mehr Bauunternehmen, Handwerksbetriebe sowie sonstige Entscheidungsträger:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette inkludiert und für zirkuläre Ideen gewinnt. Letztendlich braucht es einen funktionierenden Marktplatz, der sich selbst trägt und refinanzierbar ist.“

Anschliessend ergriff ZirkuLIE-Projektleiterin Clarissa Rhomberg das Wort und nutzte die Gelegenheit für ein grosses Dankeschön an alle jene, die mit viel Einsatz und auf verschiedensten Ebenen ZirkuLIE unterstützt und vorangebracht haben. Namentlich hob sie dabei neben dem eigenen Team die einzelnen Mitglieder der ZirkuLIE-Kerngruppe „als ehrenamtlich engagierte Pioniere“ hervor. Ausserdem betonte Clarissa Rhomberg den für ein solches Projekt perfekten Nährboden in Liechtenstein, bestehend aus kurzen Wegen, hoher Kompetenz und Expertise in der Baubranche sowie Mut und Willen, miteinander etwas zu bewegen und zu verändern.

Was bereits konkret gemeinsam bewegt worden ist, dokumentierte danach im Gespräch Simon Egger, Projektkoordinator des Zentrums für Zirkuläres Bauen (ZZB), in eindrucksvollen Zahlen. So sind seit der Eröffnung des ZZBs im Februar 2025 aus über 60 Objekten wiederverwendbare Bauteile besichtigt und gerettet worden. Rund 6‘000 solcher Bauteile sind aktuell in der Bauteilbörse inventarisiert, knapp 3‘000 konnten verkauft werden. Besonders zu erwähnen ist auch ein grosser humanitärer Erfolg: Etwa 700 Fenster wurden bisher für den Wiederaufbau in der Ukraine gespendet und gemeinsam mit dem Schweizer Verein RE-WIN dorthin transportiert.

Über diese bemerkenswerten Zahlen hinaus funktionierte das 2025 neu geschaffene Zentrum für Zirkuläres Bauen in Triesen auch als Ort der Begegnung und Wissensvermittlung bestens: Allein im letzten Jahr wurden 30 Veranstaltungen durchgeführt, bei denen 1‘800 Besucher:innen vor Ort begrüsst werden konnten.

Auf Projektebene konnte ZirkuLIE 2025 unter anderem mit dem Umbau des Jugendtreffs Scharmotz in der alten Post in Balzers ein in mehrfacher Hinsicht aussergewöhnliches Vorhaben unterstützen und fachlich begleiten. Clarissa Rhomberg bat dafür Mathias Vogt und John Gulli von der Vogt Architekten AG vor das Mikrofon, die für die Planung verantwortlich zeichneten. Mathias Vogt, ZirkuLIE-Kerngruppenmitglied der ersten Stunde, erinnerte sich an die Gedanken, als sein Büro den Auftrag bekam: „Mir war bald klar, dass sich dieser Umbau als anschauliches Pilotprojekt in Sachen zirkuläres Bauen anbietet. Ein Pilotprojekt, das man zudem zu einem echten Lehrlingsprojekt gestalten konnte.“

Sein Kollege John Gulli arbeitete im Projekt nicht nur als Architekt massgeblich mit, er begleitete es auch als Coach. „Zum einen gab es von der Gemeinde Balzers das klare Bekenntnis, ein Gebäude auch einmal stehenzulassen und es lediglich auf Zeit umzubauen. Zum anderen konnte man viele vor Ort vorhandene Bauteile oder Elemente – teilweise aber ganz anders genutzt – wiederverwenden. Und darüber hinaus den Lehrlingen der unterschiedlichen daran beteiligten Betriebe die Leitung und Entscheidungshoheit zu überlassen, war eine tolle Gelegenheit, Fachwissen und zirkuläre Sichtweisen an die junge Generation weiterzugeben“, fasst der erfahrene Architekt seine Erfahrungen positiv zusammen.

Das Projekt begleitete auch Bettina Walch, die in Zürich gemeinsam mit Gleichgesinnten das Projekt „Asphaltknackerinnen“ ins Leben gerufen hat, um als Generalunternehmen in Städten und anderen Siedlungsräumen versiegelte Flächen wieder zu entsiegeln. „In Balzers wurden sogar Parkplätze wieder in Grünflächen verwandelt. Und ich fand auch die Idee, Lernende als Chefs agieren zu lassen, einfach bemerkenswert“, zeigte sich die gebürtige Liechtensteinerin begeistert.

Zum Abschluss des offiziellen Teils des Neujahrsapéros betonte Clarissa Rhomberg noch die Bedeutung von ZirkuLIE als wichtiger Informations- und Ausstellungsplattform. Als solche wartet man 2026 auch mit einer neuen Ausstellung auf: Unter dem Titel „Wie zirkulär lebst du?“ können sich die Besucher:innen grundlegende Fragen rund um das Thema Zirkularität stellen. Kurator der acht interaktiv gestalteten Fragestationen ist Architekt Luis Hilti.

„Die Idee kam uns anlässlich eines Bauprojekts und langer Diskussionen, was Zirkularität alles bedeutet und wie man diese erlebbar vermitteln kann“, erklärte er die Beweggründe. „Letztlich gibt es eben nicht das eine Tool oder Allheilmittel, das der Zirkularität den Weg ebnet. Man muss den Weg dorthin als Prozess verstehen und sein Denken und Tun dabei auch selbstkritisch hinterfragen.“ Die Ausstellung richtet sich dabei primär nicht an ein Fachpublikum, sondern an alle, die sich dem Thema niederschwellig und spielerisch annähern wollen – von Schulklassen bis zu interessierten Einzelpersonen. „Es erwartet hier niemanden ein schweres Wissensbombardement, sondern eher leichte Kost, die vor allem Freude machen soll“, umriss Luis Hilti die Ausrichtung der Ausstellung, die während der Öffnungszeiten des ZZB zugänglich ist.

Apropos „leichte Kost“: Für den kulinarischen Ausklang des Abends sorgte wie im Vorjahr die AckerKüche mit ihrem „radikal regionalen“ Buffet. Während sich viele Gäste gut verpflegt und gestärkt in anregende Einzel- oder Gruppengespräche vertieften, lockte es Interessierte in die neue Ausstellung mit ihren acht Fragestationen.

Einer, der diese bereits komplett „durchspielte“, war Projektkoordinator Simon Egger. Seine Eindrücke? „Ich bin gemeinsam mit meinen Eltern gerade mitten in der Planung eines Bauprojekts. Da waren die in der Ausstellung gestellten Fragen besonders interessant und auch hilfreich. Und obwohl ich mit dem Thema ja beruflich sehr eng verbunden bin, war es für mich doch erstaunlich, wie viele Facetten das Thema Zirkularität letztlich bietet. Ich kann den Besuch auf alle Fälle nur empfehlen“, machte Simon Egger zum Abschluss noch Lust auf eine zirkuläre Entdeckungsreise im ZZB in Triesen.

ZirkuLIE – Zentrum für Zirkuläres Bauen
Dröschistrasse 15 (Swarovski Areal)
FL-9495 Triesen

Öffnungszeiten (inkl. aktueller Ausstellung „Wie zirkulär lebst du?“):
Mi. 13 bis 17:30 Uhr
Sa. 9 bis 13 Uhr

Ansprechpartnerin Führungen: stefanie.ritter@lebenswertesliechtenstein.li
Ansprechpartner Bauteile: simon.egger@zirkulie.net 

www.zirkulie.net