ZirkuLIE auf der com:bau
- Datum
- 11. März 2026

«ZirkuLIE auf der com:bau – Drei Tage voller Gespräche, Fragen und Impulse»
Vom 6. bis 8. März war ZirkuIE erstmals auf der com:bau in Dornbirn vertreten - Vorarlbergs grösster Bauchfachmesse. Drei Tage lang zeigte ZirkuLIE in Halle 11 in der Sonderausstellung "Zirkuläres Bauen" wiederverwendbare Bauteile aus dem Zentrum für Zirkuläres Bauen (ZZB) in Triesen sowie die aktuelle Ausstellung "Wie zirkulär lebst du?" und erlebte dabei, wie gross das Interesse am Thema Kreislaufwirtschaft im Bauwesen bereits heute ist.
Bereits am ersten Messetag wurde deutlich: Das Thema trifft einen Nerv. Die Sonderausstellung zum zirkulären Bauen zog ein breites Publikum an den Stand – von neugierigen Einzelpersonen über Schulklassen bis hin zu Fachleuten aus der Baubranche. Was dabei besonders auffiel, war die Vielschichtigkeit jener, die das Gespräch suchten. Auf der einen Seite Jungfamilien, die mitten in den grossen Fragen des Bauens stehen: Wie kann ich nachhaltig bauen, ohne den finanziellen Rahmen zu sprengen? Wie finde ich Ansätze, die sowohl für die Umwelt als auch für mein Budget Sinn ergeben? Auf der anderen Seite Handwerkerinnen und Handwerker, die in der Praxis täglich sehen, wie viel Material achtlos entsorgt wird – und die in den Grundgedanken des zirkulären Bauens eine Haltung wiedererkennen, die sie längst teilen: die Wertschätzung von Ressourcen und von Arbeit.
Immer wieder kam in den Gesprächen ein Satz auf, der nachdenklich stimmt: „Es ist eine Tragödie, was alles auf dem Müll landet." Bauteile, die noch jahrzehntelang hätten Verwendung finden können. Materialien, die mit handwerklichem Können eingebaut wurden und diesen Respekt verdient hätten, wiederverwendet zu werden. Genau hier setzt ZirkuLIE an und genau hier trafen die gezeigten Bauteile und die interaktiven Fragestationen der Ausstellung auf echte Resonanz.
Ein besonderes Highlight der drei Messetage war das Podiumsgespräch am Freitagmittag auf der com:bau-Bühne in Halle 12. Unter dem Titel „Zirkuläres Bauen – Was ist heute bereits möglich und wie kommen wir vom Wissen ins Tun?" diskutierte ZirkuLIE-Projektleiterin Clarissa Rhomberg mit Andrea Kessler von den materialnomaden, Bettina Steindl von der CampusVäre des Creative Institute Vorarlberg sowie Verena Jakoubek-Konrad vom Vorarlberger Architektur Institut und HouseEurope!.
Andrea Kessler (materialnomaden gmbh) setzt sich für eine Baukultur ein, in der Gebäude und Materialien als langfristige Ressourcen verstanden und in zirkulären Kreisläufen genutzt werden. Dafür analysieren die materialnomaden bestehende Gebäude, entwickeln ReUse Prozessdesign und etablieren Plattformen, die Wiederverwendung im Bauwesen praktisch umsetzbar machen – denn Materialien enthalten Potentiale, die sich als Investition in die Zukunft anbieten.
Bettina Steindl (CampusVäre Dornbirn): Die Transformation ehemaliger Industrie- und Textilhallen in einen kreativen Hotspot zeigt, wie viel Potenzial im Weiterbauen statt im Abreißen liegt. Unter dem Motto „Wegen Umbau geöffnet" wird der Prozess des Umbaus der Halle 4 selbst zur Haltung. Wandel braucht Öffentlichkeit und den Mut, ihn sichtbar zu machen.
Verena Konrad (Vorarlberger Architektur Institut & HouseEurope!): Rund 70 % des europäischen Gebäudebestands müssen bis 2050 energetisch saniert werden – derzeit liegt die Sanierungsquote in Europa bei etwa 1 %. In Österreich beträgt sie rund 1,6 %, wobei der Großteil davon Teilsanierungen sind. Der größte Hebel für die ökologische Transformation des Bauens liegt daher nicht im Neubau, sondern im Weiterbauen im Bestand. Wenn die Bauwende gelingen soll, muss diese Debatte aus der Fachblase heraus: in die Politik, in die Gesellschaft – und zu jenen, die sie konkret umsetzen. Regional besonders bedeutend ist dabei das Handwerk. Lokales Wissen, Materialkenntnis und gewachsene Bautraditionen sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass Transformation im Bestand tatsächlich gelingen kann.
Die Runde machte eindrücklich sichtbar, dass es bereits heute funktionierende Ansätze, Projekte und Akteurinnen gibt und dass die eigentliche Herausforderung weniger im fehlenden Wissen liegt als im Schritt vom Wissen ins konkrete Tun.
Das Echo aus diesen drei Tagen ist motivierend und ein klares Signal: Die Menschen sind bereit für diese Gespräche. Sie suchen Orientierung, Werkzeuge, Vorbilder. ZirkuLIE hat auf der com:bau genau das geboten: Einen niederschwelligen Einstieg, der informiert, Fragen stellt und Lust macht, weiterzudenken. Viele Besucherinnen und Besucher verliessen den Stand mit konkreten Impulsen im Gepäck und dem Hinweis auf das Zentrum für Zirkuläres Bauen in Triesen als Anlaufstelle für die nächsten Schritte.
Dass ZirkuLIE mit seinem Thema auch ausserhalb der Landesgrenzen Gehör findet, ist ein wichtiger Schritt. Denn zirkuläres Bauen macht an keiner Grenze halt und die Fragen, vor denen eine Jungfamilie in Dornbirn steht, sind dieselben wie jene in Vaduz oder Feldkirch. Drei Tage com:bau haben das einmal mehr bestätigt: Das Thema ist angekommen. Jetzt geht es darum, gemeinsam ins Tun zu kommen.
Veranstaltung „com:bau“, Messe Dornbirn
(c) Angela Lamprecht
















