Beitrag

KollaborierBAR

Datum
16. Juni 2026

«Die KollaborierBAR»

Wenn Kunst auf Kreislaufwirtschaft trifft: Wie mit wiederverwendeten Materialien aus dem Zentrum für Zirkuläres Bauen (ZZB) ein lebendiger Begegnungsort inmitten der Prozess-Ausstellung „Das Einen“ entstand – und wie ZirkuLIE dazu beigetragen hat, diesen besonderen Raum zu bauen.

Der Kunstraum Engländerbau in Vaduz ist vom 2. Juni bis 26. Juli 2026 kein gewöhnlicher Ausstellungsraum. Unter dem Titel „Das Einen“ hat Visarte Liechtenstein eine Prozess-Ausstellung initiiert, in der sechs Künstler:innen-Gruppen ihre Werke direkt vor Ort und für das Publikum sichtbar entwickeln. Im Mittelpunkt steht nicht das fertige Objekt, sondern das Miteinander, der Dialog, das gemeinsame Schaffen. Doch neben Leinwand, Werkzeug und konzentrierter Stille gibt es in diesem Ausstellungsformat noch etwas anderes: eine Bar. Und diese KollaborierBar ist selbst ein Statement.

Bauteile mit Geschichte – die KollaborierBAR

Gebaut wurde die sogenannte KollaborierBAR von Simon Egger, Stanislao Satta und Jakob Grabher mit Materialien aus der Bauteilbörse des Zentrums für Zirkuläres Bauen (ZZB). Was auf den ersten Blick wie eine geschlossene Schatulle wirkt, trägt eine klare Haltung in sich: Sämtliche Materialien stammen von ZirkuLIE – also aus Rückbauten oder aus Lagerbeständen von Gebäudeteilen, die auf ihre Zweit- oder Drittnutzung warten.

MDF-Platten, Holzlatten, Glasbausteine: Was in einem abgerissenen oder umgebauten Gebäude als hochwertiges Material anfällt, landet im ZZB nicht auf der Deponie, sondern in einem Lager, das Materialien für neue Zusammenhänge bereithält. Die KollaborierBAR ist eine neue Fügung und eine temporäre Zwischennutzung, die den Austausch zwischen Menschen und Materialien ermöglicht. Für die KollaborierBAR ging Simon Egger von ZirkuLIE sogar eigens auf die Suche nach Materialien aus Vaduz – und wurde fündig: Die Leuchten stammen aus dem Vaduzer Saal, die Oberlichter vom AHV-Gebäude, die Stoffbahnen sowie das Material für die Bartresen aus dem Schlösslekeller, die MDF-Platten aus dem Kunstmuseum. Einzig die Glasbausteine stammen aus der Nachbargemeinde Schaan. Beim Aufbau gab es keinen fixen Plan; auch die Bar selbst ist in einem kollaborativen Prozess entstanden, wie Jakob Grabher ergänzt .

Die Entscheidung, dass ausgerechnet ZirkuLIE diese Bar gestaltet, ist kein Zufall. Das Projekt „Das Einen“ sucht bewusst nach Verbindungen – zwischen Kunstschaffenden, zwischen Prozess und Publikum, zwischen Idee und Ort. Eine Bar aus wiederverwendeten Bauteilen trägt diese Idee materiell weiter. René Hasler von Visarte Liechtenstein hat die Idee einer solchen KollaborierBAR schon länger mit sich herumgetragen. Umso erfreuter ist er, dass sie nun in Zusammenarbeit mit ZirkuLIE realisiert werden konnte – und das Ergebnis seine Erwartungen sogar noch übertroffen hat. Vorbild waren Micro-Bars aus Tokio, sogenannte Izakaya, die durch ihre Kleinheit und stilvolle Einrichtung ein besonderes Besuchererlebnis bieten. Genau diese Kleinheit und die liebevolle Einrichtung mit handverlesenen Plakaten, kleinen Videoinstallationen und verschiedenen Kunstgegenständen schaffen eine ausgesprochen heimelige, intime Atmosphäre.

Jeden Freitag: Die KollaborierBAR als offener Treffpunkt

Jeden Freitagabend zwischen 17 und 22.30 Uhr öffnet die KollaborierBAR offiziell und damit entsteht ein erweitertes Forum, das Visarte Liechtenstein bewusst als Teil des Ausstellungsformats konzipiert hat. Die vielgestaltige Kunst- und Kulturszene Liechtensteins sowie alle Interessierten finden hier einen temporären gemeinsamen Ort für Gespräch, Begegnung und Austausch. «Die KollaborierBAR gibt der Ausstellung ein Herz», freute sich Kuratorin Antonella Barone bei der Ausstellungseröffnung. Auch für den Leiter des Kunstraums Engländerbau Manfred Näscher, ist die KollaborierBAR ein Ort, der den geselligen Austausch innerhalb des Kunstraums fördert und somit die Begegnung nicht nur mit der Kunst, sondern auch mit den verschiedenen Besucher:innen ermöglicht. 

Wer kommt, tritt in einen Raum ein, der von den Werken der sieben Gruppen umgeben ist – Arbeiten, die hier entstanden sind oder noch immer entstehen. Die Grenze zwischen Schaffen und Betrachten verschwimmt.

Der Kunstraum Engländerbau als Ort des Werdens

Für den Kunstraum Engländerbau ist „Das Einen“ eine ungewöhnliche Bespielung – über sechs Wochen lang wird der Raum zunächst zum öffentlich zugänglichen Grossraum-Atelier, bevor er in eine Ausstellungssituation übergeht. Für Kuratorin Antonella Barone ist dieser Ansatz eine seltene Gelegenheit, das künstlerische Schaffen, also den Entstehungsprozess, ins Zentrum zu stellen. Besucher:innen werden normalerweise in Museen mit dem Endprodukt konfrontiert, hier hingegen mit dem Entstehungsprozess. Für sie war es spannend, die 19 Künstler:innen auf diesem Prozesspfad zu begleiten und zu beobachten, wie Kunstschaffende verschiedener Generationen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen gemeinsam einen Rhythmus fanden. Von Anfang an war das Projekt auf Kollaboration ausgerichtet, und mit der KollaborierBAR wird dieser Ansatz nun weitergetragen. Das zeigt sich auch in ihrem Schriftzug, zu dem alle Künstlergruppen Buchstaben beigetragen haben.

Was bleibt, wenn die Ausstellung endet?

Ob die KollaborierBAR nach der Ausstellung weitergenutzt wird, ob die Bauteile erneut wandern – das ist noch offen. Doch das ist vielleicht das Wesen dieser Materialien: Sie waren schon einmal etwas anderes. Sie werden es wieder sein. «Die Bar wurde so geplant, dass sie wieder zerlegt und neu aufgebaut werden kann», betont ZirkuLIE-Mitarbeiter Stanislao Satta. Die Einzelteile werden nach dem Ende der Ausstellung bei ZirkuLIE zwischengelagert, bis es wieder irgendwo einen Ort für Kollaboration braucht – ob genau in dieser Form oder anders, das kann dann wiederum spontan angepasst werden.

„Das Einen“ endet am 26. Juli 2026. Was es in Gang gesetzt hat – an Gesprächen, an Verbindungen, an Ideen –, das lässt sich nicht so leicht auseinandernehmen wie die KollaborierBAR selbst.

 

Das Einen – Prozess-Ausstellung von Visarte Liechtenstein

Kunstraum Engländerbau, Vaduz
02. Juni – 26. Juli 2026
Kuratorische Begleitung: Antonella Barone

Mehr Infos unter www.visarte.li  und www.kunstraum.li

 

KollaborierBAR
Barbetrieb: Jeden Freitag, 17–22.30 Uhr

Fr, 19.06.2026, 17 Uhr mit der Kunstschule Liechtenstein

Fr, 26.06.2026, 17 Uhr mit der IG Kunst und Kultur

Fr, 03.07.2026, 17 Uhr mit alle andersch alle gliich (Steven Beck und Florin Hasler)

Fr, 10.07.2026, 17 Uhr mit der Jungen Liste

Fr, 17.07.2026, 17 Uhr mit Bar & Ton (Live) mit Toni Büchel, David-Johannes Buj Reitze und Simon Egger

Fr, 24.07.2026, 17 Uhr mit Visarte Liechtenstein