Jugendtreff "Scharmotz" in Balzers - Interview
- Datum
- 5. Mai 2026

«Ein spannendes Projekt und eine grosse Chance für uns»
Ende März konnte der Jugendtreff Scharmotz in Balzers seine neuen Räumlichkeiten im ehemaligen Postgebäude einweihen. Anstatt auf neue Materialien zu setzen, wurde das Projekt zu einem Experimentierlabor für zirkuläres Bauen, ein Projekt von Lehrlingen für Jugendliche. Markus Büchel und Massimo Aspirante von der OJA waren von Anfang an in das Projekt involviert, das vom Netzwerk Zirkulie für zirkuläres Bauen begleitet wurde.
Herr Büchel, Herr Aspirante jetzt ist der Jugendtreff Scharmotz in Balzers endlich fertig und hat eröffnet. Wie ist der Prozess aus Ihrer Sicht abgelaufen?
MARKUS BÜCHEL: Er war sehr spannend. Wir von der OJA waren weder Bauherren, noch ausführende Beteiligte, wurden aber in jeden Schritt mit einbezogen. Gestartet ist alles im Januar 2025 mit einem grossen Workshop, zu dem gezielt Jugendliche aus Balzers eingeladen wurden. Mehr als 40 Jugendliche haben diese Chance damals wahrgenommen und unter der Leitung der Gemeinde und Vorsteher Karl Malin sowie den Vogt Architekten konnten wir bei diesem Anlass sehr wertvolle Inputs, Tipps und Anregungen der Jugendlichen aufnehmen, wie der Jugendraum gestaltet werden soll. Die Jugendlichen konnten bei diesem Projekt wirklich aktiv mitgestalten, was ich wunderbar finde.
Welche Wünsche wurden dabei konkret formuliert?
MARKUS BÜCHEL: Viele, einige davon waren sicherlich bereits fester Bestandteil, andere wurden aufgrund der Inputs neu aufgenommen. Konkrete Wünsche waren beispielsweise ein Mädchenzimmer, eine Werkstatt und ein Rückzugsort für Videospiele.
MASSIMO ASPIRANTE: Besonders war wie schon erwähnt, dass wir aber nicht nur einmal mit einbezogen wurden, sondern permanent im Austausch mit den Verantwortlichen standen. Wir haben in den folgenden Monaten immer wieder kleine Folgeworkshops bei uns intern veranstaltet und die Resultate dann weitergegeben. Da der Jugendtreff ein Lehrlingsprojekt war, war unsere Ansprechperson Fabrizio Rotunno, Zeichner in Ausbildung bei den Vogt Architekten und Fabrizio war sehr offen für unsere Ideen.
MARKUS BÜCHEL: Natürlich kann nicht immer alles umgesetzt werden, manchmal ist das Budget ein Rahmen, manchmal sind die ästhetischen Vorstellungen nicht die gleichen. Aber wir gingen alle in die gleiche Richtung, mit dem gleichen Ziel, das war super.
Man könnte sagen, es ist also ein Jugendraum von jungen Menschen für junge Menschen?
MASSIMO ASPIRANTE: Ja. Unsere Aufgabe war dabei die Meinung und Wünsche der Jugendlichen zu vertreten und der Austausch war sehr produktiv.
MARKUS BÜCHEL: Gleichzeitig hatten wir natürlich auch unsere Vorstellungen, die wir einbringen wollten. Der Jugendraum sollte vor allem funktional sein, also all das bieten, was wir tagtäglich brauchen. Gleichzeitig wünschten wir uns, dass die Räume multifunktional genutzt werden können: An einem Tag stehen Billiard- und Tischtennistisch drinnen, am nächsten Tag wird der Raum zu einer Disco. Die Wünsche von uns und den Jugendlichen wurden aufgenommen und auch gehört.
Wie wird der Jugendtreff heute genutzt? Hat sich die Arbeit gelohnt?
MASSIMO ASPIRANTE: Heute ist viel mehr los, als in der Vergangenheit. Die Jugendlichen freuen sich noch mehr, hierher zu kommen und sind begeistert vom Jugendraum. Wir haben mehr Platz und wirklich einen deutlichen Zulauf an Besuchern.
MARKUS BÜCHEL: Das Schönste ist, dass auch die Altersdurchmischung heute stärker ist als früher. Der Jugendraum lebt und das ist wundervoll.
Gibt es Wünsche oder Ideen für die Zukunft?
MARKUS BÜCHEL: Im Moment nicht, jetzt füllen wir den Jugendraum mit Leben. Aber klar, wenn es coole Ideen gibt, nehmen wir diese gerne auf.
MASSIMO ASPIRANTE: Wir wollen sicher in diesem Frühling den Aussenplatz beleben, nicht nur für uns, sondern auch für andere. So werden beispielsweise auch die Primarschule und Realschule in den kommenden Wochen unseren Aussenplatz für das Projekt «Outdoor Classroom» nutzen. Was mich besonders freut, ist, dass auch Senioren den Jugendtreff für sich entdeckt haben und in Kürze findet ausserhalb der regulären Öffnungszeiten eine Seniorenparty bei uns statt.
MARKUS BÜCHEL: Ausserhalb der Öffnungszeiten steht der Jugendtreff anderen Bevölkerungsgruppen zur Verfügung, beispielsweise auch für Kindergeburtstage.
MASSIMO ASPIRANTE: Wir müssen noch die letzten Kleinigkeiten anpassen, es ist noch nicht alles final, aber dann sind wir offen für alle Anfragen.
Was ist Ihr Fazit zum Projekt?
MASSIMO ASPIRANTE: Es war ein spannender Prozess, aber auch für uns sehr intensiv. Es ist wunderbar, dass die Gemeinde und die Verantwortlichen so offene Ohren für uns hatten und uns und die Jugendlichen so stark miteinbezogen haben. Dafür ein grosses Dankeschön.
MARKUS BÜCHEL: Aus meiner Sicht ist der Jugendraum Scharmotz ein Vorzeigeprojekt. Der Ablauf, die Rücksicht auf so viele unterschiedliche Interessengruppen, aber auch das Ergebnis sind vorbildlich. Dass alle Akteure Hand in Hand zusammengearbeitet haben, ist beeindruckend. Was mich besonders gefreut und auch überrascht hat, war der grosse An drang bei der Eröffnung – so viele Menschen habe ich wirklich nicht erwartet. Was wir bisher noch gar nicht besprochen haben, ist der Standort: Er ist einfach perfekt. Zentral, dennoch aber nicht so nah an Wohnhäusern, so können wir hier wirklich etwas tolles aufbauen. Das Projekt war sehr spannend und eine grosse Chance für uns.
Ein Artikel von Andreas Laternser im Bauen & Wohnen April 2026.

Zu den Personen
Markus Büchel ist Geschäftsleiter der Stiftung Sovort (Soziale Arbeit vor Ort) Liechtenstein, zu der die Offene Jugendarbeit Liechtenstein (OJA) gehört.
Massimo Aspirante ist Jugendarbeiter und zusammen mit Alexandra Neyer Co-Leiter des Jugendtreff Scharmotz in Balzers.
INTERVIEW: ANDREAS LATERNSER
BILDER: NILS VOLLMAR , JULIAN KONRAD, MASSIMO ASPIRANTE